in Wahrheit

Die kleine aber feine Grenze zwischen Stolz & Arroganz

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Freunde, heute ist mal wieder Real Talk angesagt. Dass ich im Herzen Münchens lebe, ist mittlerweile wahrscheinlich vielen von euch bewusst. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen und kenne sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des bayerischen Mittelpunkts in- und auswendig. Mir ist auch bewusst, dass München nicht umsonst als versnobt und arrogant verschrien ist, auch wenn man sich von dieser Seite der Stadt im Regelfall ganz gut fernhalten kann. Doch dieses Wochenende habe ich die volle Breitseite der sogenannten Schickeria abbekommen und gebe euch mal wieder gerne einen Einblick, in die Soap die ich mein Leben nenne…

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Ich wäre die größte Heuchlerin, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht zu einem gewissen Grad Erfolg bei Männern attraktiv finde (ganz ehrlich Mädels, wer von uns tut das nicht?). Erfolg zeugt meistens von Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen – alles Eigenschaften, die ich schätze und auch selbst verfolge so gut es geht. Um potenziellen „Du-bist-nur-neidisch“-Hatern also gleich einmal den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich finde, dass man sehr wohl stolz auf das sein kann, was man erreicht hat und damit auch nicht hinter den Berg halten muss, nur um niemandem auf den Schlips zu treten:

Wenn euer Blog durchstartet und ihr eingeladen wart, in der ersten Reihe der NY Fashion Week zu sitzen? – Absolut coole Sache!

Wenn ihr jahrelang Arbeit in euren YouTube-Channel gesteckt habt und vom verschrienen YouTube Money mittlerweile leben könnt? – Nice, ihr lebt den Traum!

Wenn ihr es euch erlauben könnt eine 3-monatige Pause vom Job zu machen und auf Weltreise geht? – Geil! Schickt mir Fotos und bringt mir einen Magneten mit (ja, ich sammle die!)!

Und wenn ihr euch nach oben gearbeitet habt und euch von der Gehaltserhöhung den Traum eines R8 erfüllt? – Lääääuft – aber wehe, ihr lasst mich nicht Probefahren!

Ich bin die Letzte, die euch diese Dinge nicht gönnen würde! Ich kenne tatsächlich mehr als eine Person, für die so etwas nicht nur Wunschdenken ist und die dann auch stolz von ihren Errungenschaften berichtet. In meinen Augen ist das absolut nichts Verwerfliches.

ABER.

Ihr wusstet, dass es ein „aber“ gibt, ansonsten hätte dieser Post hier absolut keinen Sinn. Es gibt eine ziemlich feine Grenze zwischen Stolz und Arroganz, die ich am Wochenende live und in Farbe begutachten konnte. Wo diese Grenze ist fragt ihr euch nun?

Tja, wenn das eigene Ego so groß ist, dass man ganz alleine einen Club damit ausfüllen kann, dann habt ihr die feine Linie mit einem ziemlich großen Schritt überquert, meine Freunde.

Aber mal von Anfang an: Ich habe den Freitag Abend ausgenutzt, um mal wieder mit meinen Mädels die Stadt unsicher zu machen. Nichts Ungewöhnliches, dass man an einem solchen Abend viele neue Menschen kennenlernt und mit dem ein oder anderen ins Gespräch kommt. Irgendwann stand ich nichtsahnend vor einem privaten Separee des Clubs, wurde bevor ich überhaupt wusste was gerade passiert war nach hinten gezogen und stand einem Kerl gegenüber. Nennen wir ihn doch mal freundlich „Helferlein 1„.

Helferlein 1 hatte den Charme einer Nacktschnecke und hat mich mit den Worten „Hey, mein Kumpel da hinten ist Schauspieler. Der hat die Loge hier gebucht.“ begrüßt – seine Hand übrigens immer noch im Klammeräffchengriff um meinen Arm. Lasst mich euch sagen, dass Helferlein 1 in der Wingman-Prüfung hochgradig durchgerasselt wäre. Offenbar hat er gemerkt, dass ich mit dieser Information relativ wenig anfangen konnte oder wollte. Mein etwas perplexer Gesichtsausdruck hat wohl Bände gesprochen. Um die merkwürdige Stille nicht noch merkwürdiger zu machen hat er noch ein „Der möchte mit dir reden…Komm mit!“ hinzugefügt und in die Richtung des besagten Herren gedeutet. Gut, im zweiten Anlauf ließen sich also doch Ansätze von Wingman-Kompetenzen erkennen.

Tja, mein Blick glitt also in das Separee in dem Schauspieler und Gefolge sich gerade amüsierten, klassisch mit dem 200€ Vodka Boot auf dem Tisch. Okay, ich korrigiere: sein Gefolge hat sich amüsiert, während Mr Wichtig 100% seiner Aufmerksamkeit seinem Handybildschirm gewidmet hat.

Ganz so groß kann das Interesse also nicht gewesen sein, wenn Candy Crush oder wahlweise auch jedes andere Game, das man eben nachts im Club so zockt (Facepalm bitte hier einfügen) wichtiger war. Und genau das habe ich Helferlein 1 auch gesagt. Wenn Mr Wichtig mit mir reden wollte, konnte er gerne selbst zu mir kommen.

Damit war die Sache für mich eigentlich erledigt und ich wäre liebend gerne zurück zu meinen Mädels gegangen. Pustekuchen. Anscheinend hatte ich nicht wirklich eine Wahl, denn in diesem Moment hat Helferlein Nummer 2 ( von der Statur gefühlt Bodyguard) eingegriffen und beide mich rechts und links regelrecht in das Separee gezogen. Schwups war ich auch schon in der Loge und saß mit meinen vier Buchstaben auf der Lounge Couch – neben Mr Wichtig.

Offenbar fehlt mir das Gold Digger-Gen, denn ich kann guten Gewissens sagen, dass mir noch nie ein Mensch so schnell so unsympathisch war. In unter 60 Sekunden hatte ich das dringende Bedürfnis das Vodka Boot zu nehmen und die Eiswürfel über seinem Schädel auszukippen. In diesen 60 Sekunden hat besagter Herr mich nicht einmal mit einer Arschbacke beachtet, sondern fröhlich weiter auf seinem Handybildschirm herumgetippt. Bereits da wäre ich am allerliebsten wieder verschwunden, hatte aber ehrlich gesagt Angst, dass Helferlein 1 und 2 mich beim Versuch aufzustehen sofort an das Sofa gekettet hätten. Also habe ich alle Apathie runtergeschluckt und versucht mit der Frage „Hey. Du wolltest mit mir reden.“ herauszubekommen, was das Schmierentheater hier eigentlich sollte. Wenigstens habe ich seine Aufmerksamkeit einen kurzen Moment lang vom Handybildschirm lösen können. Ich werte das schon mal als Errungenschaft.

Jeder der jetzt erwartet hat, dass mit dem kleinen Aufhänger ein nettes Gespräch entstand, den muss ich leider bitterlich enttäuschen. Alles was ich als Antwort bekam war ein überhebliches Nicken, eine Kopf bis Fußmusterung, die mich offenbar mit einem ‚kann man machen‘ abstempelte und ein „Ja, du kennst mich sicher.“

Spoileralarm: Nö, kannte ich nicht. Ist aber auch nicht verwunderlich, da ich das Fangirl-Dasein für Schauspieler und TV-Stars schon ca. in der 9. Klasse abgelegt habe. Ganz zu schweigen davon, dass Mr. Wichtig offenbar nicht so bekannt war, wie er selbst glaubte. Tja, das ‚Nein‘ schien ihn ziemlich aus dem Konzept zu bringen, was man aus dem ungläubigen Gesichtsausdruck schließen konnte. Als er mir dann empört seinen Namen entgegen gemurmelt hat und bei mir ganz offensichtlich keine Erleuchtung und kein „OMG du bist das?! Awwww kann ich ein Foto mit dir haben? Ich finde dich so unglaublich toll!“ zu holen war, hatte sein Handybildschirm auf einmal wieder seine volle Aufmerksamkeit.

Ich glaube niemand kann mir einen Vorwurf machen, dass ich keinen Bock darauf hatte. Also bin ich aufgestanden und wollte wieder zurück zu meinen Mädels gehen. Ich wurde jedoch nochmals von Mr. Wichtig gestoppt, der es anscheinend nicht nachvollziehen konnte, warum ich die Situation eher minder prickelnd fand. Seine genauen Worte waren im übrigen: „Du willst doch nicht gehen. Jetzt bist du hier. Tu doch nicht so, als ob du mich nicht kennst.“ Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich mich eindeutig  wie im falschen Film gefühlt – pun intended. Ich hab so schnell wie möglich das Weite gesucht, ansonsten wäre ich von diesem Ego wahrscheinlich erstickt worden. Denn 1. gab es nichts, was ich in diesem Moment lieber getan hätte, als zu gehen (mit Ausnahme davon, das Vodka Boot tatsächlich über ihm auszukippen) und 2. wäre ich spätestens jetzt gegangen, selbst wenn ich ihn tatsächlich gekannt hätte.

Im Nachhinein weiß ich nicht ob ich lachen soll, dass Mr. Wichtig wirklich dachte allein sein Name wäre genug um ihm Füße küssend entgegen zu fallen oder ob ich weinen soll, weil es wahrscheinlich mehr als ein Mädchen da draußen gibt, die tatsächlich im Angesicht von A, B, C oder Z-Promis sämtliche Würde und jegliches Selbstwertgefühl am Clubeingang abgeben.

Ich habe es auf Instagram bereits erwähnt und kann es nur noch einmal wiederholen. Erfolg ist schön und gut und sei jedem gegönnt, aber das ist noch lange kein Grund sich wie der Mittelpunkt des Universums aufzuführen. Meist sind die, die ihren Erfolg am lautesten durch die Gegend posaunen auch die, die eigentlich noch lange nicht das im Leben erreicht haben, was sie wollten.

Ist euch schon einmal so etwas passiert? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen und nicht vergessen: Stay humble – hustle hard!


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× By Nessa ×
Hi, ich bin’s, der freundliche Redhead aus der Nachbarschaft. 24 Jahre alt und damit zu jung um sich alt zu fühlen aber zu alt um sich jung zu fühlen. #storyofmylife. München nenne ich mein Zuhause und ja, ich vertrage mehr Bier als du!

Ich stehe mit Rat und Tat in so ziemlich allen Lebenslagen zur Seite, auch wenn du mich niemals 100% in eine Schublade stopfen kannst – Ich stelle mich mit dem gleichen Elan Lippenstifttests, wie ich in der ersten Reihe im Moshpit zu finden bin. Ganz nach dem Motto: I’m not even on drugs – I’m just weird 😀

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Nessa

Hi, ich bin’s, der freundliche Redhead aus der Nachbarschaft. 25 Jahre alt und damit zu jung um sich alt zu fühlen aber zu alt um sich jung zu fühlen. #storyofmylife. München nenne ich mein Zuhause und ja, ich vertrage mehr Bier als du!

Ich stehe mit Rat und Tat in so ziemlich allen Lebenslagen zur Seite, auch wenn du mich niemals 100% in eine Schublade stopfen kannst – Ich stelle mich mit dem gleichen Elan Lippenstifttests, wie ich in der ersten Reihe im Moshpit zu finden bin. Ganz nach dem Motto: I’m not even on drugs – I’m just weird 😀

Comment

  1. Mny

    Es war so lustig zu lesen. ich kenne solche Situationen (größtenteils aus Amerika – wo dieses Ego-Ding und „Ich habe Geld“ noch schlimmer ist) und ich könnte fast exaktz die selbe Geschichte erzählen. Nur war es bei mir kein bekannter Schauspieler sondern „nur“ ein angeblicher Reicher Mensch. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn man nicht so einen Höhenflug hätte 😉 Ich bin da wie du… ich gönne den Leuten vieles und freue mich mit, aber sowas ist nur nervig 🙂
    Trotzdem Danke ich diesem Typen dafür, dass du daraus einen tollen Blogpost machen konntest 🙂

    Lg, Mny von http://www.braids.life

    17 . Mai . 2017
  2. Ando

    Oh Gott, ich hasse solche Leute.
    Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei solchen Menschen nicht mal versuche freundlich zu bleiben. Da rutscht mir oft so manch garstiger Spruch raus. Aber mal ehrlich, solche Menschen haben es verdient 😀

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

    17 . Mai . 2017
  3. Jil Löffka

    Haha, wie geil Du das auch geschrieben hast! Ich habe sowas persönlich noch nicht erlebt, sondern wenn dann tatsächlich „Promis“ erkannt, die im elitären Kreise ihren Wodka getrunken haben. Ich finde es erschreckend, wie die sich dann teilweise benehmen… Peinlich! Mich würde echt interessieren, auf welchen Herren Du da gestoßen bist 😉

    Viele Grüße
    Jil von http://jilsblog.com

    31 . Mai . 2017
  4. Isabell

    Oh Mann, was für eine Story! Sowas habe ich noch nicht erlebt, hätte aber genauso reagiert wie du. 😀

    31 . Mai . 2017
  5. Sigrid Braun

    Ein sehr amüsanter Artikel, es wäre toll, wenn ihn Mr. Wichtig zu lesen bekommt, da würde der Blick auf sein Handy sich wenigstens lohnen.
    Liebe Grüße Sigrid

    31 . Mai . 2017
  6. Jasmin

    super Artikel. Ich hätte wohl genauso gehandelt, bis auf dass ich ihm Sein Vodka-Schiff über die Hose gekippt hätte 🙂 Eiszeit Freunde!

    31 . Mai . 2017
  7. PrimetimeChaos

    Wie lustig ist die Geschichte denn bitte?! Manche Leute denken einfach, sie können sich alles erlauben. So was! Super reagiert hast du, hätte ich genauso gemacht.
    Hab eine Weile in New York gelebt und bin dort oft ausgegangen mit meinen Mädls. Uns ist es einmal passiert, dass wir in eine VIP Lounge geholt wurden, weil ein anscheinend berühmter Sportler (war er auch, wie wir im Nachhinein herausgefunden haben) uns ZU DRITT mit sich in die Suite mitnehmen wollte! Einfach so! Und als wir NEIN gesagt haben, sagte sein Bodyguard nur so: „Oh come on, he can pay you, if you want.“

    Bitte?! Sowas Freches! Wir haben nur gelacht und sind gegangen. Aber ich muss sagen, dass ich die Geschichte trotzdem gerne mit einem Schmunzeln erzähle 😉

    Alles Liebe,
    Theresa

    31 . Mai . 2017
  8. Daaaniieee

    Also du solltest Bücher schreiben wirklich – ich konnte garnicht aufhören zu lesen und bin jetzt aber wirklich zuuuu neugierig auf wen du da gsetoßen bist?! Tipp?

    LG aus Linz (OÖ)

    Danie

    31 . Mai . 2017
  9. Daniel

    Hmm ich als Mann muss ganz klar sagen: Fremdschämen!!
    Gibt es wirklich Kerle, die sich sooo mega Super finden? Die sind doch eher aus der Ära „Miami Vice“. Unglaublich! Was mich aber interessiert, welche Null-Kunde war das denn nun? Kennt man ihn? Oder waren seine Kumpels auf Jungesellenabschiedsparty und „wir besorgen Dir noch einmal ein Mädel aus der freien Wildbahn“?

    Ich entschuldige mich für den Tropf!

    Gruß
    Daniel

    31 . Mai . 2017

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