in Wahrheit

Wo wir mit 30 Jahren sein wollten…

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Ihr Lieben – vor knapp vier Wochen war es für mich wieder soweit: wieder ein Jahr älter, wieder kein Jahr weiser. Zugegebenermaßen mache ich mir mit 26 über die große 30, die für viele ein einschneidendes Jahr zu sein scheint, persönlich noch nicht wirklich viele Gedanken. Allerdings gibt es doch viele Menschen in meinem engsten Kreis, auf die die 30 dieses oder nächstes Jahr wartet und bei denen die Panik mit jedem Tag größer zu werden scheint.

30. Geburtstag

Warum? Nun, der Satz den ich auf diese Frage bis jetzt am meisten gehört habe ist definitiv „Mit 30 sollte ich eigentlich schon ein Haus haben, einen Baum gepflanzt und verheiratet sein, oder? Ich habe nichts davon.“

Über diese Aussage habe ich also doch ein wenig reflektiert. Es stimmt zweifellos – wenn man einmal zurück an seine Kindheit denkt, dann galten alle Bekannten mit 30 als alt, erwachsen und seriös. Die 30-Jährigen standen mit beiden Beinen im Leben und die Gespräche der Erwachsenen waren für uns als Kinder das Langweiligste, was man sich vorstellen konnte. Auch wenn man über seine eigene Familie nachdenkt, wird einem klar, wieso dieses Denken in vielen so verwurzelt ist – immerhin waren beispielsweise meine Eltern in meinem Alter schon 2 Jahre verheiratet und hatten mich bereits in die Welt gesetzt. Ein ziemlich merkwürdiger Gedanke.

Man hat das Gefühl, 30 ist der Wendepunkt, an dem aus Spaß plötzlich Ernst wird. An dem es nicht mehr süß ist, noch in der Junggesellen-WG mit dem besten Kumpel zu wohnen und die Nacht zum Tag zu machen, sondern eher traurig.  An dem aus wilden Einweihungspartys mit Beer Pong und ellenlanger Gästeliste auf einmal kleine Soirees mit Canapes und Spätburgunder aus dem Jahr 2012 werden müssen. An dem man nun eher über die Schlafgewohnheiten des kleinen Sohnemanns reden muss, statt sich kichernd über den letzten Fling aus der Clubnacht am Wochenende auszutauschen. Und vor allem an dem man in der Lage sein sollte, sich ein eigenes Heim mit großem Garten für die Kinder zu leisten, seinen abgezahlten Mercedes in der Garage stehen hat und – last but not least- an dem man bereits seit 2 Jahren verheiratet sein muss, nachdem man am besten schon 7 Jahre in einer festen und glücklichen Beziehung ist.

Ja, liebe Freunde, ich glaube wir können uns alle darauf einigen, dass die Gesellschaft uns da einen ziemlich großen Floh ins Ohr gesetzt hat, der im generellen Fall  bei den meisten der Generation Y nicht ansatzweise der Realität entspricht.

Cat at the window

Denn wie sieht die Realität bei den Meisten mit Ende 20 aus?

Der Großteil meiner Bekannten und Freunde ist immer noch damit beschäftigt ihren Master-Abschluss an der Universität zu machen. Ganz normal, wenn man ein Jahr Work & Travel, Findungsphase und 1-2 Semester im falschen Studiengang mit einberechnet, bevor man tatsächlich etwas gefunden hat, mit dem man sich bis zur Rente anfreunden kann. Immerhin sind wir Generation Maybe – wir geben uns nicht mehr nur mit einem Job zufrieden, der die Rechnungen bezahlt. Wir suchen Selbstverwirklichung, streben danach unsere Hobbies zum Beruf zu machen. Es mag klischeehaft klingen, aber wir sind eine Generation von Idealisten, die sich nicht mit einem ‚passt schon‘ zufrieden geben! Es ist also mittlerweile Standard geworden seine 20er damit zu verbringen, zu studieren und sich darüber im Klaren zu werden, was man eigentlich möchte. Dass das den Plan vom Haus-Baum-Garten-Ehe-mit-30 dezent zeitlich zurückschlägt, sollte offensichtlich sein.

Stattdessen lebt man nach wie vor in einer WG, weil es schlichtweg nicht möglich ist, sich in München mit einem Studentenjob eine eigene Wohnung zu leisten. Die WG-Zimmer Wände sind praktisch aus Pappmaschee gemacht und somit weiß auch der ganze Rest der WG wann und von wem ihr nächtlichen Besuch gehabt habt. DAS und der Status der Masterarbeit, die bald abgegeben werden muss, ist der Gesprächsstoff, den wir standardmäßig haben – nicht, was Kind Numero Uno heute schon wieder für Chaos im Haushalt angestellt hat.

Diejenigen, die bereits ihr Studium beendet haben, sind gerade bei ihrem ersten, festen Job und der ersten eigenen Wohnung angekommen. Nein, kein Haus mit 1000 m² Garten – eine 1-Zimmer Wohnung ohne Waschmaschine und Balkon ( seid dankbar, dass ihr euch die 1000 Euro Miete mit dem Gehalt vom ersten Job überhaupt leisten könnt! – und ja, das ist eine ziemlich durchschnittliche Warmmiete für 1-2 Zimmer hier!) Meine besten Freunde und ich lachen uns gegenseitig aus, wenn wir merken, dass unsere Wohnungen zu 50% aus den gleichen Möbeln bestehen, weil unsere komplette Einrichtung eben von IKEA ist (kommt schon, wer hat den kleinen, weißen Holztisch für 5 Euro von euch nicht auch in seiner ersten Wohnung gehabt?). Unsere Shopping-Sprees finden immer noch bei H&M und nicht bei Marco Polo statt und ja , selbst nach 2 Jahren in den eigenen vier Wänden merke ich ab und zu immer noch, dass ich noch lange nicht fertig eingerichtet bin. (Ich habe keinen Messbecher!! Kochen ist und bleibt ein Ding der Unmöglichkeit – und ja, dass daran einzig und allein der Messbecher schuld ist bleibt meine offizielle Aussage! : ) )

Interieur

 

Ich persönlich bin beruflich zwar schon ein Stück weiter, als die meisten in meinem Alter es wohl sind, kann mir jedoch ebenfalls weder das Haus mit 1000m² Garten leisten, noch will ich das, wenn ich ehrlich bin. Ich genieße die Freiheit, die ich in meiner 1,5-Zimmer Wohnung habe, momentan in vollen Zügen.

Ab und zu clashen die Welten dann aber doch aufeinander. Denn natürlich gibt es mit Ende 20 bereits Leute im Freundeskreis, die einen Ring am Finger und ihr Kleinkind auf dem Arm tragen und die einen all die Dinge, die ich oben aufgezählt habe, dann eben doch wieder in Frage stellen lassen.

Ich denke trotzdem, dass unsere Generation das Bild vom Haus bauen, Baum pflanzen und Kinder kriegen vor der großen 3 schon lange hinter sich gelassen hat. Keiner wird mehr schief angeschaut, wenn man sich mit Anfang 30 eher auf den ersten richtigen Job vorbereitet, als auf Hochzeitsplanungen. Wenn man sich eher auf die nächste Backpack-Reise konzentrieren möchte, als an die Kinderplanung zu denken. Und wenn das Announcement mit 30 vielleicht nicht ist „Wir kaufen gemeinsames  Haus!“ sondern „Wir ziehen in eine 2-Zimmer Wohnung.“

 

Wie seht ihr das? Habt ihr Angst vor der 30 oder habt ihr sie schon mit einem Schulterzucken hinter euch gelassen?

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Nessa

Hi, ich bin’s, der freundliche Redhead aus der Nachbarschaft. 26 Jahre alt und damit zu jung um sich alt zu fühlen aber zu alt um sich jung zu fühlen. #storyofmylife. München nenne ich mein Zuhause und ja, ich vertrage mehr Bier als du!

Ich stehe mit Rat und Tat in so ziemlich allen Lebenslagen zur Seite, auch wenn du mich niemals 100% in eine Schublade stopfen kannst – Ich stelle mich mit dem gleichen Elan Lippenstifttests, wie ich in der ersten Reihe im Moshpit zu finden bin. Ganz nach dem Motto: I’m not even on drugs – I’m just weird 😀

1 Comment

  1. Barbara

    Also ich finde, wir können es uns heute erlauben, nicht mehr entweder-oder machen zu müssen. Ich bin Ü30, verheiratet, habe einen Kredit und eine Eigentumswohnung. Mit Kindern hat es bisher leider noch nicht geklappt, aber hoffentlich bald. Dennoch mache ich noch Party, betrinke mich unsinnig, reise allein herum, sitze mit Bier am Meer, kaufe bei Ikea, habe keinen Mercedes, sondern einen alten Drahtesel und blicke manchmal verunsichert in die Zukunft. 🙂

    LG Barbara

    03 . Mai . 2018

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