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Ist „House of the Dragon“ ein würdiges „Game of Thrones“ Prequel? – Der Review zum Staffelauftakt

Knapp drei Jahre nach der bitteren Enttäuschung, die uns die finale achte Staffel von Game of Thrones bescherte, erscheint das erste Spin Off aus der von George R. R. Martin erschaffenen Welt Westeros. House of the Dragon soll nun ebendiese Welt wiederbeleben. Ob das den Machern der Serie gelingt, schauen wir uns in Folgendem etwas genauer an. 

House of the Dragon adaptiert GRRMs “Fire & Blood” aus dem Jahre 2018, eine Art fiktives Geschichtsbuch über das Haus Targaryen. Martin fungiert bei HotD sogar als Co-Schöpfer. Showrunner sind Drehbuchautor Ryan J. Condal (Colony) und Regisseur Miguel Sapochnik, der bereits in Game of Thrones die großen Schlachten inszenierte. Musikalisch wird die Serie erneut von Komponist Ramin Djawadi in Szene gesetzt, dem wir bereits den epischen GoT Soundtrack zu verdanken haben. Man mag von der finalen Staffel halten, was man will, aber die Musik hat uns in all den Jahren nie enttäuscht. Döö döö dödö döö döö dödödööö – bitte sehr für den Ohrwurm, gern geschehen.

Der Serienauftakt macht vieles richtig. Die erste Folge hat noch ein gemäßigtes Tempo, wir lernen neue Charaktere an altbekannten Orten kennen. So finden wir uns in King‘s Landing wieder und fühlen uns direkt wieder heimisch. Eine Sache, über die ich persönlich mich sehr gefreut habe, ist, dass sie sich scheinbar nicht nur an Game of Thrones orientieren, sondern Beschreibungen aus den Büchern besser umsetzen. So genial das Design des eisernen Throns auch war, in den Büchern wurde er wuchtiger und gefährlicher beschrieben, es war tödlich, sich nur auf den Thron zu setzen, da man sich an den Klingen der vielen Schwerter schnitt. Und so wird der Thron hier auch dargestellt.

Wir lernen erst einmal die Hauptfiguren kennen. Wer mit wem? Und vor allem: Wer gegen wen? Ansonsten bietet the heirs of the dragon – wie soll es anders sein? – Gewalt, Blut, Sex und Feuer. Insgesamt hat der Serienauftakt Potential und macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Und für mich mit das Wichtigste: House of the Dragon gibt mir das Gefühl, das mir frühe Staffeln von Game of Thrones bereits gegeben hat. Es ist vielleicht noch früh so etwas zu sagen, aber meiner Meinung nach kann das hier ganz großes Kino werden.

Bevor ich ins Detail gehe, schauen wir uns die Hauptfiguren der Serie, sowie deren Darsteller einmal etwas genauer an.

König Viserys I. Targaryen – Paddy Considine (Peaky Blinders)
König Viserys ist der fünfte König der sieben Königslande. Er wird als “gutherziger und anständiger Mann” beschrieben. Er wurde vom Rat zum Erben des Throns ernannt.

Daemon Targaryen – Matt Smith (Dr. Who, the Crown)
Daemon Targaryen ist der jüngere Bruder und Erbe von König Viserys. Er ist ein erfahrener Drachenreiter und Krieger. Sein Geisteszustand stellt für manche Anlass zur Sorge dar.

Königin Aemma Arryn – Sian Brooke (Sherlock)
Sie ist die Gemahlin von König Viserys I. Targaryen und Mutter von Rhaenyra Targaryen. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten und verlor ein Kind im Säuglingsalter. Einen Sohn und Erben konnte sie ihrem Gatten bisher nicht schenken.

Rhaenyra Targaryen – Milly Alcock 
Rhaenyra ist eine Prinzessin aus dem Haus Targaryen und die Tochter von König Viserys I. Targaryen und Königin Aemma Arryn. Sie ist die Reiterin des Drachen Syrax.

Lady Alicent Hightower – Emily Carey (Wonder Woman, Tomb Raider)
Alicent ist die Tochter von Ser Otto Hightower, Hand des Königs. Sie wuchs im Red Keep auf und ist Teil des Hofs. 

Ser Otto Hightower – Rhys Ifans (Spider-Man: No way Home, the King’s Man, Elementary)
Er ist die Hand des Königs, diesem dient er – wie auch dem Reich – treu und gewissenhaft. In seinen Augen ist der Bruder des Königs die größte Bedrohung für das Reich.

Lord Corlys Velaryon – Steve Toussaint (Prince of Persia)
Er ist das Oberhaupt des Hauses Velaryon, einem Adelshaus valyrischer Abstammung. Er ist als abenteuerlustiger Seefahrer in die Geschichte von Westeros eingegangen.

SPOILERWARNUNG – Ab hier folgen Details der Folge „The Heirs of the Dragon“

Gleich zu Beginn fällt auf, dass es kein Intro gibt. Keine Zahnräder, die von einer epischen Titelmelodie untermalt werden, stattdessen lediglich das Wappen der Targaryens. Leute, die sich fragen, ob man nun – da man das alte GoT Intro sowieso nicht tippen kann – schlicht und ergreifend auf ein solches verzichten will, können beruhigt sein. Ab Folge 2 wird es auch für House of the Dragon ein Intro geben.

Wir schreiben das Jahr 101 nach Aegons Eroberung (n.A.E.). Der alte König Jaehaerys I. Targaryen (Michael Carter) gilt als der beste König aller Zeiten, doch er hat keinen Erben, da seine beiden Söhne nicht mehr leben. Also soll der Große Rat von Harrenhal die Frage seiner Thronfolge klären: Jaehaerys Enkelin Rhaenys, Tochter seines Erstgeborenen oder sein Enkel Viserys, Sohn des Zweitgeborenen. Am Ende bekommt der männliche Erbe die Krone (Surprise!) und Rhaenys wird zur Queen who never was.

Wir machen einen Zeitsprung. Um alles zeitlich einordnen zu können, wird uns erzählt, dass die jetzigen Ereignisse 172 Jahre vor Daenerys Targaryens Geburt spielen.

Und los gehts. Drachen. Musik. Wir sind in Westeros. Wir lernen Prinzessin Rhaenyra Targaryen kennen, die auf ihrem Drachen Syrax reitet und vor den Toren der Drachengrube landet, wo sie auf ihre Freundin Alicent Hightower trifft. Wir begleiten die beiden auf ihrer Fahrt durch King’s Landing zurück zum Red Keep (feels like home). Dort stattet Rhaenyra ihrer hochschwangeren Mutter Aemma Arryn einen Besuch ab. Im Gespräch wird schnell klar, dass die Prinzessin kein Interesse daran hat, eines Tages selbst Mutter zu werden. Viel mehr erinnert sie hier ein wenig an Arya Stark, die ebenfalls keine Lady sein wollte. Aemma besteht darauf, dass königliche Frauen dem Reich dienen, indem sie königliche Kinder gebären (“Das Kindbett ist das Schlachtfeld der Frau”).

Wir lernen König Viserys I. als sanften und gutherzigen König kennen, der in dieser Zeit des Friedens regiert und dessen Tage als letzter Reiter von Balerion, dem größten Drachen, den Westeros je gesehen hat, längst vorbei sind. Aber ein freudiges Ereignis steht an, denn: Viserys ist sich sicher, dass seine Gemahlin ihm dieses Mal einen Sohn und damit einen Erben schenken wird, und zur Feier dessen Geburt wird ein Turnier geplant, auch wenn der kleine Rat, bestehend aus der Hand Otto Hightower, Schatzmeister Lord Beesbury, Lord Lyonel Strong, Maester Gerardys und Corlys Velaryon, sich lieber mit wichtigeren Dingen beschäftigen möchte. So ist nämlich bis zur tatsächlichen Geburt eines Erben Prinz Daemon der nächste in der Thronfolge, was nicht von vielen gerne gesehen wird. 

Mir gefällt Matt Smith in der Rolle des sympathischen Schurken. Auch wenn die Szene mit Rhaenyra etwas cringe ist. Aber wie wir wissen, sind die Targaryens relativ locker, wenn es darum geht, Romanzen in der eigenen Familie zu pflegen.

Schnell wird klar, dass man ihn besser nicht wütend machen sollte, denn er ist unberechenbar, das zeigt sich schon bei seiner Revolutionierung der Stadtwache. Mit seinen Goldröcken zieht er los, die Stadt aufzuräumen und erleichtert den einen oder anderen um ein paar Gliedmaßen. 

Nicht anders ist sein Verhalten im kommenden Turnier. Mit unfairen Mitteln schafft er es bis ins Finale, um dort vom Ritter Ser Criston Cole, der nur noch schmutzigere Tricks an den Tag legt, geschlagen zu werden.

Noch während Prinz Daemon mit dem Gesicht im Dreck liegt, liegt die Königin in den Wehen. Doch es läuft nicht wie erhofft, sodass König Viserys eine harte Entscheidung treffen muss: Entweder er verliert Frau und Kind, oder das Kind wird mit einem Kaiserschnitt geholt, eine extrem schmerzhafte und blutige Angelegenheit, die unweigerlich zum Tod der Mutter führt. Der König gibt seine Zustimmung. Vergebens. Sein Sohn, den er Baelon nannte, wird nicht älter als einen Tag. Die beiden werden eingeäschert (Dracarys) und die Frage der Thronfolge stellt sich erneut.

Erbost über Gerüchte, die Viserys hört, bestellt er seinen Bruder zu sich. Doch nicht ein Bruder spricht zu Daemon, sondern ein König. Ihm sei das Gerücht zu Ohren gekommen, Daemon habe ausgelassen im Bordell gefeiert und auf seinen Neffen, den Erben für einen Tag angestoßen. Während Daemon verlauten lässt, jede habe nun einmal seine eigene Art zu trauern, nimmt Viserys dies zum Anlass Daemon zurück zu seiner Frau nach Dragonstone zu schicken und ihn aus der Thronfolge zu streichen.

Stattdessen wählt er seine Tochter Rhaenyra aus. In einer eindrucksvollen Kulisse, vor dem Schädel von Balerion (hier noch in einem deutlich besseren Zustand und prächtiger präsentiert als 200 Jahre später in Game of Thrones) spricht Viserys von Vater zu Tochter. In einer feierlichen Zeremonie wird sie offiziell zur Erbin der Krone erklärt. Wir sehen Vertreter der bekannten Häuser, die der voraussichtlich ersten Königin des Reiches die Treue schwören. Ob es wirklich dazu kommen wird und welche Auswirkungen die Streichung von Prinz Daemon aus der Thronfolge haben wird, wird sich noch zeigen. Denn dieser wirkte alles andere als erfreut, als er seinen Drachen bestieg und in die Lüfte gleitete. Auch er wird Anhänger haben, die lieber ihn als eine Frau den Thron besteigen sehen. Ob König Viserys damit den Stein für einen Bürgerkrieg ins Rollen gebracht hat?

Fazit: Der eine oder andere wird es vielleicht schon gemerkt haben: Ich bin mehr als positiv gestimmt. Die Musik und die Optik begeistern, das noch einmal höhere Budget wird mehr als deutlich. Erste Spannungen werden angedeutet und ich denke, dass wir noch einige spannende Szenen und ausgeklügelte Dialoge erwarten können.

Die erste Folge dient vor allem dem Kennenlernen der Charaktere, sowie dem Bereitlegen der Beziehungen, Konfliktpunkte und der allgemeinen Szenerie. Die Serie wird wohl einige Zeitsprünge machen (hoffen wir, dass sie deutlicher gemacht werden als noch in der Mutterserie), so werden die Darstellerinnen von Rhaenyra und Allicent in Zukunft ausgetauscht. 

Insgesamt ein mehr als gelungener Auftakt, den man in Deutschland auf den Streamingdienst Wow von Sky sehen kann und der das aktuelle Angebot mit 33% reduzierter Testmitgliedschaft für sechs Monate, durchaus attraktiv machen könnte. Denn nicht um sonst hat der Serienauftakt auf HBO und HBO Max am Sonntag mit 10 Millionen Views den bisherigen Inhouse-Rekord von „Euphoria“ (6,6 Millionen) übertroffen und sogar den aktuellen Rekordhalter für die meisten Streams innerhalb der erst 6 Stunden: Konkurrent Netflix mit Stranger Things Staffel 4 vom Thron gestoßen. Ich hab auf jeden Fall Lust auf mehr und freue mich auf die nächste Folge.

Ich gebe 9 von 10 Dracheneiern.

Ich bin der singende, tanzende Abschaum der Welt. Mit seichter Unterhaltung, Trash TV (naja, das meiste. Das große Promibacken ist mein Guilty Pleasure) und RomComs kann ich oft nicht viel anfangen. Albernes Zauberstabgefuchtel und kindische Hexereien wird es hier nicht geben. Wer es gerne ernst und düster mag, ist bei mir genau richtig. Ich hab einen Hang zu Antihelden und drück dem Bösen heimlich mal die Daumen. Ich bin Freund des Unerwarteten und des Mindfucks. Das Leben hat mich eingeholt und so weiß ich gute Filme und Serien mehr zu schätzen den je. Und gleichzeitig ist meine Antwort auf Klatsch und Tratsch immer öfter „Kenn ich nicht, ist mir auch egal“. Seifenblasennostalgie meets Hobbypoesie und Dorfkindromantik. Ich bin die, die „Folge deinem Herzen, aber nimm dein Hirn mit“ an Bushaltestellen schmiert. Mehr gibt es (hin und wieder mal) auf Instagram unter @_sandrapopandra.

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