Serien,  Wilder Minds

House of the Dragon: Ep 10 The Black Queen / Die schwarze Königin Review

Während die letzte Folge the Green Council sich ausschließlich um Team Grün und damit Alicent Hightower mit ihrem Sohn Aegon gedreht hat, erwartet uns diese Woche eine Folge rund um Team Schwarz, d.h. der Fokus liegt auf Rhaenyra und Daemon, die sich nach aktuellen Stand noch auf Dragonstone befinden.

SPOILERWARNUNG!

Ab hier gibt es Spoiler zur aktuellen Folge. Buchspoiler werden extra markiert: Und zwar so.

Und dahin flog am Ende der letzten Folge – wie wir wissen – Prinzessin Rhaenys auf Meleys. An dieser Stelle knüpft das Staffelfinale an. Rhaenys kommt auf Dragonstone an und überbringt mehr als nur eine schlechte Nachricht: König Viserys ist tot und Aegon wurde vor den Augen des Volkes zum König gekrönt. Daemon stellt die Frage, die ich selbst (und wahrscheinlich 99% der Zuschauer) letzte Woche gestellt habe: Warum hast du sie nicht alle in Flammen aufgehen lassen?

Und natürlich fällt ihre Antwort so aus. Dies ist nicht ihr Krieg. Es läge nicht an ihr, ihn anzufangen. Wie weise diese Entscheidung war, zeigt sich zum Ende der Folge.

Rhaenyra, zum Zeitpunkt der Überbringung der Nachricht hochschwanger, bekommt umgehend Wehen. Es folgt eine Szene, die für mich nur schwer auszuhalten war. Sie kämpft mit der Geburt ihres Kindes, die übrigens, bedingt durch den Schock, viel zu früh einsetzt, um am Ende ihre tote Tochter Visenya in den Armen zu wiegen.

Wie bereits zum Anfang der Staffel ihr Bruder Baelon, wird auch diese Folge ein viel zu kleines Bündel eingewickelt und bestattet. Doch der Tag birgt auch Hoffnung. Ser Erryk Cargyll, der letzte Woche noch mit seinem Zwillingsbruder um die rechtmäßige Thronfolge gestritten hat, taucht auf. Und zwar nicht mit leeren Händen. Er schwört Rhaenyra die Treue und überreicht ihr die Krone ihres Vaters (wir erinnern uns: Aegon wurde mit der Krone des Eroberers gekrönt), die ihr von Daemon aufgesetzt wird. Alle Anwesenden knien nieder. Alle bis auf Rhaenys, der man das aber gut und gerne verzeiht. Schließlich ist auch sie eine wahre Königin.

Und so weiß sie, was zu tun ist und wen sie unterstützen muss. Corlys, der seinen Verletzungen nicht erlegen ist, will am liebsten mit Sack und Pack nach Driftmark, von den zwei König:innen nichts wissen und dort ein friedvolles Leben führen. Aber da hat er nicht mit seiner Frau Rhaenys gerechnet. Die nimmt ihm ziemlich übel, dass er auf große Abenteuer gefahren ist und sie in ihrer Trauer allein gelassen hat. Schließlich sei er nicht der Einzige, der Verluste erlitten hat.

Und so platzt Corlys in Rhaenyras Kriegsrat und schwört ihr die Treue. Diese ist sichtbar erleichtert und dankbar über den taktischen Vorschlag der Seeschlange: Die Stepstones sind eingenommen, d.h. die Velaryons beherrschen die Seewege, wie praktisch, der Seeweg nach King’s Landing soll also blockiert werden.

Während Rhaenyra erst einmal einen Plan haben will und sehen möchte, welche Häuser auf ihrer Seite stehen, möchte Daemon King’s Landing am liebsten brennen sehen. Aber die Königin hat nun einmal das Sagen (auch wenn er ihr körperlich überlegen ist, wie er ihr direkt demonstrieren muss). Und so hat es seine Gründe, dass Daemon niemals König geworden ist, wie sie spätestens merkt, als sie realisiert, dass Daemon noch nie vom Lied von Eis und Feuer gehört hat. Viserys hatte ihn also nie wirklich als Erben in Betracht gezogen.

Let‘s talk about Dragons

Rhaenyra hat einen Vorteil: Sie hat Drachen. Viele Drachen. Es gibt aber auch ein Problem: Die Gegenseite hat ebenfalls Drachen. Während die Grünen den Riesen Vhagar (geritten von Aemond), Sunfyre (Aegon) und Dreamfyre (Helaena) haben, wird noch ein vierter, noch nicht ausgewachsener Drache erwähnt. Hier wird es sich um den Drachen von Alicents vierten Sohn Daeron handeln.

Rhaenyras Seite dagegen hat ihren Drachen Syrax, Caraxes (Damon), Meleys (Rhaenys), Moondancer (Baela), sowie die Jungtiere Vermax (Jaehaerys) und Tyraxes (Joffrey).

Und dann sind da noch drei reiterlose Drachen: Leanors Drache Seasmoke, der sich in Driftmark befindet, Silverwing (Alysannes, Jaehaerys I. Ehefrau) und Vermithor, welche sich beide in Dragonstone befinden. Letzterem singt Damon ein Liedchen, womöglich um ihn zu beschwichtigen und ihn für ihre Seite zu gewinnen. Des weiteren erwähnt Daemon drei wilde Drachen, die in Dragonstone leben.

Vermithor, genannt die Bronzene Furie, war ursprünglich der Drache von König Jaehaerys I. Im Jahre 130 n.A.E. ist er alt und mächtig. Nur Vhagar ist größer als er. Zu Beginn des Drachentanzes ist er fast hundert Jahre alt. Seine Flammen können Stahl und Stein schmelzen. Er ist an Menschen gewöhnt und toleriert deren Anwesenheit.

Die Karten sind gelegt. Alle stehen in den Startlöchern für den anstehenden Krieg. Nur die Königin sträubt sich. So will sie eine Königin des Volkes sein, die ihr Handeln am Wohl des Volkes orientiert und keine, die um jeden Preis auf dem Eisernen Thron sitzen möchte. Sie weiß: Ein Krieg steht ihr bevor, doch sie möchte nicht diejenige sein, die ihn eröffnet. 

Und das muss sie auch nicht.

Rhaenyra möchte vor allem Verbündete um sich scharen, bzw. die großen Häuser an ihren Treueschwur erinnern, den sie vor zwanzig Jahren geleistet haben. Während Jahaerys nach Winterfell zu den Starks fliegt, macht sich Lucerys auf den Weg nach Storm’s End (Sturmkap), um dort mit Lord Borros Baratheon zu sprechen.

Und – ich bin mir nicht sicher, ob er gesehen hat, was wir gesehen haben, aber wie kann man einen so riesigen Drachen übersehen? – er hätte direkt umkehren sollen. Doch naiv wie er ist – er kommt als Bote, nicht als Krieger – glaubt er, es könne ihm nichts geschehen. Obwohl Aemond ihm offensichtlich zuvor gekommen ist, überbringt er dem König seine Nachricht. Königin Rhaenyra erinnert an das Versprechen, das Lord Borros Vater gegeben hat. Und der besagte Lord Borros scheint sich nicht wirklich entscheiden zu können, ob er darüber gekränkt oder amüsiert sein soll. So habe ihm König Aegon immerhin ein Angebot gemacht, Aemond wird eine seiner Töchter ehelichen. Lucerys kann kein solches Angebot machen, da er schon versprochen ist. Und so möchte er ergebnislos die Halle verlassen und zurück zu seiner Mutter fliegen, doch dabei hat er nicht mit seinem Onkel gerechnet, der den Saphir, den er in sein fehlendes Auge einsetzte, preisgibt.

Er fordert von Lucerys ein Auge. Lucerys möchte nicht kämpfen, zum einen hat ihm seine Mutter deutlich gemacht, dass er als Bote gesandt wird, nicht als Krieger, zum anderen denke ich, weiß er, dass er definitiv den Kürzeren ziehen würde. Und auch Lord Baratheon möchte nicht, dass unter seinem Dach Blut vergossen wird und lässt Luke zu seinem Drachen geleiten, der nun neben Vhagar so lächerlich klein aussieht. Spätestens als der Riese über Arrax hinweg fliegt, ist der Größenunterschied einfach enorm. Es folgt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Lucerys und Arrax den Kürzeren ziehen müssen. Sie überleben diesen Flug nicht.

Spannend finde ich Aemonds Reaktion darauf. Sein Drache hat getötet, nicht er. Hat er den Tod seines Neffen also nur billigend in Kauf genommen, aber eigentlich nicht gewollt? Bereits in Storm’s End sagte er, er wolle lediglich ein Auge.

So war das erste Blutvergießen im Tanz der Drachen möglicherweise ein Unfall. Es bleibt abzuwarten, ob er sich Lucerys Augen – wie in der Buchvorlage – trotzdem holt. Allerdings tritt er damit das kommende Morden zwischen Team Schwarz und Grün los.

Cut. Wir hören nicht, was gesagt wird, aber die Musik, die Bildsprache und am Ende Rhaenyras Blick verraten uns, was hier passiert: Eine Mutter erfährt vom Tod ihres Kindes. Eine Königin wird in den Krieg ziehen. 

Der Sturm brach los. Und die Drachen tanzen.

Fazit

Vielleicht. Ganz vielleicht bin ich ein wenig voreingenommen, weil: Team Black all the way! Aber auch unabhängig davon finde ich, dass the black Queen der perfekte Abschluss für diese Staffel ist. Alles erscheint unfassbar logisch und hat auf diesen Moment hingearbeitet, der jetzt kommen wird, den wir noch gar nicht gesehen haben. Der dann in Staffel 2 folgen wird: Der Ausbruch des Kriegs.

Besonders überzeugt hat mich Emma D’Arcy als Rhaenyra. Ich habe anfangs wirklich noch mit ihr gehadert, weil mir Milly Alcock wirklich gut gefallen hat, doch mit jeder Folge schaffte Emma D’Arcy mehr und mehr die beiden miteinander in Einklang zu bringen und zu zwei Versionen desselben Charakters zu werden. Und zu Matt Smith muss man nichts mehr sagen, oder? Womöglich wurde ihm das schon als Doctor oder als Prince Philip zugesprochen, aber womöglich hat er hier die Rolle seines Lebens inne. 

Muss man im Game of Thrones Universum noch über Musik und Special Effects sprechen? Nun, zumindest in einem Nebensatz sollten sie erwähnt werden. Die Musik fand ich insbesondere in der letzten Szene sehr eindrucksvoll. Und die Drachen. Ich möchte über Drachen sprechen: Wie. Krass. Ist. Bitte. Vhagar? Ich freue mich schon so so sehr auf die Drachenkämpfe, die uns noch bevorstehen und frage mich gleichzeitig, wer das alles bezahlen soll. Ich hoffe wirklich, dass diese nicht aufgrund von Finanzierungsengpässen Off-Screen ablaufen werden.

Ihr merkt, ich bin begeistert und immer noch ganz angetan von dieser Folge. Im Gegensatz zu sonst, habe ich dieses Review direkt nach dem ersten Schauen geschrieben. Wahrscheinlich werde ich sie mir morgen noch einmal genüsslich in Ruhe ansehen. Und genauso viel Spaß haben wie beim ersten Mal.

Ein letztes Mal: 10 von 10 goldenen Kronen.

Was erwartet uns in Staffel 2?

Der Sturm brach los und die Drachen tanzten.

Und wie dieser Kampf aussehen kann, hat Aemond uns auf Vhagar bereits gezeigt. Der sogenannte Tanz der Drachen beginnt, der Krieg zwischen den Grünen und den Schwarzen. Es soll keine großen Zeitsprünge mehr geben, das heißt, der aktuelle Cast bleibt uns weitgehend (bis auf einige weniger (oder mehr, wer weiß das schon?)) Todesfälle. 

Glücklicherweise wurde die zweite Staffel schon früh bestätigt. Ich hätte ehrlich gesagt – auch ohne nur eine Folge gesehen zu haben – nichts anderes erwartet. Laut bt.com hat die Produktion der neuen Staffel zwar schon begonnen, allerdings werden die Dreharbeiten noch bis Sommer 2023 andauern, was wiederum bedeutet, dass wir die zweite Staffel von House of the Dragon sicher nicht vor 2024 erwarten können. Allen, die nicht genug bekommen können (und damit leben können, den Ausgang der Serie bereits zu kennen, wobei dieser ja eigentlich aus der Mutterserie Game of Thrones bekannt ist), kann ich die Buchvorlage Fire & Blood ans Herz legen, die noch einmal etwas mehr in die Tiefe geht und beispielsweise die Zeit, die übersprungen wird, näher erläutert.

Wenn HOUSE OF THE DRAGON 13 Episoden pro Staffel hätte, hätten wir vielleicht all die Dinge zeigen können, über die wir Zeitsprünge machen mussten, obwohl das das Risiko mit sich gebracht hätte, dass sich einige Zuschauer darüber beschwert hätten, dass die Serie zu „langsam“ sei, dass „nichts passiert“. […] ich bin begeistert, dass wir immer noch 10 Stunden pro Staffel haben, um unsere Geschichte zu erzählen.  […] Es wird vier volle Staffeln mit jeweils 10 Episoden brauchen, um dem Tanz der Drachen von Anfang bis Ende gerecht zu werden.

George R.R. Martin in einem Blogpost vom 11.Oktober 2022

Ansonsten bleibt mir zu sagen: Ich hoffe, euch haben meine regelmäßigen Reviews gefallen (und vielleicht auch ein wenig geholfen, die Hintergründe besser zu verstehen). Ich für meinen Teil freue mich schon auf die zweite Staffel.

In diesem Sinne: Dracarys.

Ich bin der singende, tanzende Abschaum der Welt. Mit seichter Unterhaltung, Trash TV (naja, das meiste. Das große Promibacken ist mein Guilty Pleasure) und RomComs kann ich oft nicht viel anfangen. Albernes Zauberstabgefuchtel und kindische Hexereien wird es hier nicht geben. Wer es gerne ernst und düster mag, ist bei mir genau richtig. Ich hab einen Hang zu Antihelden und drück dem Bösen heimlich mal die Daumen. Ich bin Freund des Unerwarteten und des Mindfucks. Das Leben hat mich eingeholt und so weiß ich gute Filme und Serien mehr zu schätzen den je. Und gleichzeitig ist meine Antwort auf Klatsch und Tratsch immer öfter „Kenn ich nicht, ist mir auch egal“. Seifenblasennostalgie meets Hobbypoesie und Dorfkindromantik. Ich bin die, die „Folge deinem Herzen, aber nimm dein Hirn mit“ an Bushaltestellen schmiert. Mehr gibt es (hin und wieder mal) auf Instagram unter @_sandrapopandra.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* Hiermit akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.