in Wahrheit

Kind der Generation Y

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Welcome to my life. Der aktuellen Definition nach gehöre ich zu dieser ominösen Generation Y. Wir sind anspruchsvoll, innovativ und beabsichtigen nicht unser Leben und unsere Freizeit einem Job unterzuordnen. Immerhin kann man den Job ja auch zurechtbiegen, nicht? Bislang hab ich mich tatsächlich nicht mit der sogenannten Generation Y befasst, also eigentlich nicht mit mir. Und dann kam dieses interessante Seminar über „mich“, was mich zum Schmunzeln gebracht hat. Was hängen geblieben ist? Wir sind gefragt und begehrt. Mein erster Gedanke dazu war nach etwa 250 Bewerbungen und einem Jahr voller Praktika ohne feste Stelle dann doch irgendwie: Wo??

Aber es wurde noch besser, den als Nächstes behauptete die Referentin, wir könnten es uns leisten Forderungen zu stellen. Das mag vielleicht für die jenen unter uns stimmen, die Informatik studiert haben und danach einen der Millionen Jobs im IT-Bereich antreten, ja, die sind gefragt und begehrt, aber was genau passiert mit dem Rest?

Viele von uns glücklichen Kindern mögen heutzutage studieren und damit das Geschenk einer guten Ausbildung erhalten, aber sehr viele von uns sitzen danach erst einmal ein, zwei Jahre da und finden keinen Job. Wenn ich die Unternehmen dann davon jammern höre, dass es schwer ist guten Nachwuchs zu finden, dann muss ich eigentlich nur grinsen. Guter Nachwuchs definiert sich bei denen ja heutzutage so. Zwanzig Jahre alt, bereits Bachelor und Master Studium mit Auszeichnung abgeschlossen, mindestens zwei Jahre im Ausland gewesen und deshalb fließend Englisch, Spanisch und Französisch und nicht zu vergessen, mindestens fünf Praktika und im Idealfall drei bis fünf Jahre Berufserfahrung. Na dann viel Glück bei der Suche, die Bewerbung liegt sicher direkt neben denen fürs Regenbogeneinhorn.

Faktisch haben mich meine schier unzähligen Optionen und Möglichkeiten letztes Jahr während meiner Jobsuche ganz schön zermürbt und immer wieder zu dem gleichen Ergebnis gebracht.

  • Wir haben bereits einen Bewerber gefunden, der besser zu uns passt.
  • Wir bedauern die Absage sehr, aber wir haben uns für einen anderen Kandidaten entschieden.
  • Leider sind sie nicht in die engere Auswahl gelangt.
  • Wir denken, dass Sie für diese Position überqualifiziert sind.
  • Wir suchen jemanden mit mehr Erfahrung.

Diese Liste kann ich unendlich fortsetzen. Ich hab irgendwann aufgehört die Absagen zu zählen, immerhin verbucht man es doch schon als Erfolg, wenn man eine Runde weiter bis zum Vorstellungsgespräch kommt, bevor einem gesagt wird, dass man heute leider kein Foto bekommt. Aber von dem, was man mir im Seminar erzählt hat, hab ich leider nichts gemerkt. Stattdessen hab ich eigentlich gelernt, dass Absolventen sehr oft die Arschkarte haben. Wir haben drei bis fünf Jahre studiert und sind gut ausgebildet, deshalb arbeiten wir ungern für den Mindestlohn, da hätten wir uns das Studium auch echt sparen können. Aber ja, wir haben immer noch die selben Jahre für unser Studium verschwendet und in dieser Zeit je nach Arbeitsaufwand und solange es kein praxisorientierter Studiengang ist, tatsächlich kaum bis keine Berufserfahrung sammeln können. Zwei Dinge die uns, wenn es dann an die Bewerbungen geht, absolut zum Verhängnis werden. Das Ende vom Lied? Wir sind im Regelfall zu teuer im Gegensatz zu jemandem, der sich den selben Stand durch eine Ausbildung und Interesse erarbeitet hat. Gleichzeitig sind wir zu unerfahren im Gegensatz zu gerade eben erwähnter Person. Einer meiner früheren Chefs hat mich einmal die Generation Praktikum genannt, etwas, dass, wie ich finde, extrem zutreffend ist.

Wir versuchen durch Praktika möglichst viel Erfahrung zu sammeln, möglichst gute Unternehmen in unserem Lebenslauf stehen zu haben, möglichst herausragende Arbeitszeugnisse zu bekommen. Und das Wichtigste daran? In möglichst vielen verschiedenen Bereichen. Wie sagte die Seminarleiterin so schön? Wir wollen unser Wissen erweitern und möglichst breit gefächert sein. Ich zerstör diese Illusion nur ungern, aber wir haben faktisch keine Wahl. Wir müssen vielfältig sein, sonst haben wir auf dem Markt gleich dreimal keine Chance. Das wird uns allerdings als anspruchsvoll und  zielstrebig ausgelegt, wenn man sich in mehrere Richtungen entwickeln will, ist doch eigentlich auch ganz nett.

Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich wohl ein Stiefkind der Generation Y sein muss, da bei mir irgendwie nicht alles so reibungslos und traumhaft lief, wie das gern in den Seminaren beschrieben wird. Wie sieht es bei euch so aus?


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× By Heidi ×

Schon 26 Jahre und trotzdem noch nicht erwachsen. Ein kleines bisschen verrückt mit großem Herz und vor allem großer Klappe, bin ich gepaart mit sehr viel Kreativität für jeden Blödsinn zu haben. Lippenstift und Jacken sind meine nicht ganz so geheime Leidenschaft, irgendwo will man dem Klischee des Mädchens ja doch gerecht werden.

Als kleines Landei pendle ich so ziemlich jeden Tag zwischen Dorf und Großstadt hin und her und weigere mich weiterhin, mich entwurzeln zu lassen. Von mir gibt’s auf jeden Fall eine ordentlich Portion schonungslose Wahrheit und eben alles, was mir täglich so entgegen springt und mich begeistert.

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Heidi

Comment

  1. Julia

    Ahh, ein wirklich unglaublich interessanter und schön gestalteter Post! Ich finde euren Schreibstil wirklich genial, habt auf jeden Fall eine neue Leserin mehr 🙂

    Liebe Grüße, Julia ☾ | http://www.serendipityblog.de

    25 . Feb . 2017
  2. Ricky CATS & DOGS

    Hm tja, die Generation Y, die so oft beschriebene… angeblich hinterfragen wir ja auch alles, geben uns niemals zufrieden und wollen unsere Freiheit. Der Verdruss kommt erst, wenn dieses Konzept für einen persönlich nicht aufgeht. Wenn die Selbstständigkeit scheitert, man zurück in die Festanstellung muss etc… es ist schwierig, Bodenhaftung zu bewahren, wenn man von überall hört, man solle sich doch einfach selbst verwirklichen. Von Freunden, von Kollegen hört man das und man traut sich ja fast schon nicht mehr zuzugeben, dass bei einem selbst nicht immer alles so rund läuft, dass das Konto schon wieder leer ist, weil die Kunden einen nicht rechtzeitig bezahlen…

    Manchmal denke ich, da hatten es unsere Eltern schon leichter. Papa geht arbeiten, Mama ist zu Hause bei den zwei Kindern, einmal im Jahr gibt es Urlaub und zu Weihnachten ein 13. Monatsgehalt. Selbstverwirklichung? Kann auch so aussehen…

    Obwohl ich persönlich meine Freiheiten schon sehr liebe und es mir doch eher um Selbstverwriklichung geht als um ein sicheres Gehalt, Haus, Familie und Ehe.

    Da bin ich wohl wirklich ein typischer Fall der Generation Y…

    Ganz liebe Grüße,
    Ricarda von CATS & DOGS: http://www.wie-hund-und-katze.com

    25 . Feb . 2017
  3. kristy key

    Du bringst es auf den Punkt – da fehlen mir die Worte! Sehr sehr schöner Text <3
    kristine | kristykey

    26 . Feb . 2017
  4. Heidi

    Liebe Julia,
    vielen, vielen lieben Dank, das freut uns Wahnsinnig!
    Liebste Grüße, Heidi

    27 . Feb . 2017
  5. Heidi

    Liebe Ricarda,
    das ist ein super wichtiger Punkt den du da noch mit ansprichst. Wir werden zwar immer zum Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung gepusht, aber ich finde dass das einfach gar nicht mehr so leicht ist. Gerade in der heutigen Zeit. Wenn unser Konzept bei dir aufgeht, dann hast du auf jeden Fall alles richtig gemacht. Ich bin da dann doch etwas anders mit Thema Selbstverwirklichung und geregeltem Job. Ich beschränjke meine „Selbstverwirklichung“ hauptsächlich auf meine Freizeit.
    Allerdings ist es schön und bewundernswert, wenn jemand wie du das schafft!
    Liebste Grüße, Heidi

    27 . Feb . 2017
  6. Heidi

    Vielen lieben Dank liebe Kristy!

    27 . Feb . 2017
  7. Julia

    Wow, das nenne ich mal ein Statement!!! TOP, du bringst es auf den Punkt und sprichst aus, was viele denken. Ich hoffe, du findest deinen Traumjob! Hab einen bezaubernden Abend, XO Julia http://fashionblonde.de

    28 . Feb . 2017
  8. Sarah-M.

    Ein sehr interessanter Post! Ich habe nun noch einige Jahren Studium vor mir und kann also noch nicht wirlich mitreden, aber ich versuche mich auch schon in viele Richtungen aufzustellen und in den Semesterferien so viele Praktikas wie möglich zu machen. Sonst hat man ja im Studium keine Praxis Erfahrung! Trotzdem habe ich bis jetzt noch keine Angst, vor dem was kommt.
    Liebe Grüße
    Sarah

    05 . Mrz . 2017

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