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„Smile – Siehst du es auch?“ Der Horrorfilm in der Review: Alles andere als zum Lachen

Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte – so lautet zumindest das Sprichwort. Was es allerdings aussagt, das spezifiziert das Sprichwort nicht. Freude, Wohlwollen und Offenheit, so könnte man meinen. Im Film „Smile“ trägt das Lächeln allerdings eine völlig andere Bedeutung: Es ist der unheilvolle Vorbote eines grausamen Todes.

Den Kopf leicht nach unten geneigt, die Augen unter den Brauen starr auf den Zuschauer fixiert – das ist der sogenannte „Kubrick Stare“, benannt nach Regisseur Stanley Kubrick. Vielfach in der Filmgeschichte eingesetzt, im Normalfall um einem Charakter besonders bösartige oder psychotische Züge zu verleihen, jagte er etwa in Alfred Hitchcocks „Psycho“ Zuschauern einen Schauer über den Rücken. Auch der Joker in „The Dark Knight“ bedient sich dieses klassischen Bösewicht-Blickes, gepaart mit einem irren Lächeln, das den Charakter noch verrückter und unzurechnungsfähiger erscheinen lässt. Und auch Jack Nicholson griff in „The Shining“ zu diesem schauspielerischen Trick. In diese lange Tradition filmischer Größe reiht sich nun der Horrorfilm „Smile“ ein, denn auch hier darf der „Kubrick Stare“ seine volle Wirkung auf den Zuschauer entfalten – gepaart mit einem verheißungsvollen Lächeln. Und diese bombensichere Kombination filmisch dargestellter geistiger Umnachtung verfehlt seine Wirkung nicht.

Zu oft im Horror-Genre: Starker Start mit mittelmäßigem Ende

„Smile“ startet stark. Ausgangsort des Geschehens ist die geschlossene Abteilung einer Klinik für Härtefälle psychischer Erkrankungen, Hauptperson die Therapeutin Dr. Rose Cotter, sehr glaubhaft verkörpert von Sosie Bacon. Nach einem traumatischen Zwischenfall mit einer Patientin, beginnt Rose deren Symptome am eigenen Leib zu erfahren – fast so als hätte sie sich mit der psychischen Erkrankung angesteckt. Parallelen fallen dem eingefleischten Horrorfan hier zum absolut sehenswerten „It follows“ aus dem Jahr 2014 auf. Die Stimmung des Films ist ähnlich düster und auch hier ist es möglich sich mit dem Bösen auf eine gewisse Weise „anzustecken“. Der Dreh hier allerdings auf die Psyche und tiefsitzende Traumata zu gehen ist originell und realistisch genug inszeniert, dass es glaubhaft erscheint – zumindest zu Beginn des Films. Wie viele Horrorfilme verliert „Smile“ leider in der zweiten Hälfte an Gruselfaktor und greift zu weniger beeindruckenden visuellen Effekten, die zumindest bei mir keine Angst hervorrufen konnten. Dafür sind einige der Jump Scares aus der ersten Hälfte besonders unerwartet und immer wieder deutet die Musik gruselige Höhepunkte an, die allerdings doch nie dann auftauchen, wenn man sie erwartet – genau wie es sein sollte.

„Smile“: Realität oder Traum?

Auch visuell hat „Smile“ Einiges zu bieten. Die Kamerafahrten, die teils kopfüber stattfinden verleihen dem ganzen Geschehen eine paranormale, interessante Note, das Szenenbild ist kalt und grau, genau wie die psychische Lage der Hauptperson. Es wird eine Atmosphäre geschaffen, in der sich der Zuschauer – genau wie Rose selbst – nie komplett sicher fühlt: Ist das nun Realität oder eine Traumsequenz? Spielt mir hier das Gehirn einen Streich? Jede Sekunde erwartet man das unheilvolle Lächeln wieder zu sehen – eine Angst mit der Regisseur Parker Finn zu spielen weiß.

Doch hat der Film auch seine Schwächen. Wie bereits zuvor erwähnt, überzeugt die zweite Hälfte des düsteren Horror eher weniger – gerade weil hier nicht mehr mit klassischen Gruselfaktoren und unheilvollen Andeutungen gespielt wird, sondern man dem Bösen direkt ins Auge blicken kann. Das nimmt den Faktor der „Angst vor dem Unbekannten“ aus der Gleichung und plötzlich ist es nur noch ein weiterer effekthaschender Gruselstreifen.

Trotzdem ist „Smile“ ein wirklich guter, gruseliger Horrorfilm mit einer frischen Idee, die zum Großteil auch gut exekutiert wurde. Ein Lächeln werde ich danach zwar trotzdem nicht mit anderen Augen sehen, allerdings lege ich nach diesem Film jedem dringend ans Herz sich rechtzeitig in Therapie zu begeben, bevor die Dämonen der eigenen unverarbeiteten Traumata einen heimsuchen.
Während des Films hatte ich des Öfteren den Impuls mich hinter meiner Popcorn-Tüte zu verstecken – und das als Fan gruseliger Streifen jeder Art. Gerade jetzt, kurz vor Halloween, für Fans des gepflegten Horrors ein absolutes Muss. Wer sich traut, sollte sich also ab dem 29. September auf alle Fälle in die Kinos begeben – ab dann ist der Film nämlich auf der Leinwand zu sehen.

Von mir bekommt „Smile“ solide sieben von zehn Lachsmileys und ist damit auf jeden Fall eine Watch-Empfehlung.

Trash-Liebhaberin mit einer Schwäche für alte Hollywoodfilme. Sims-Veteranin und Playstation-Noob. Serien-Conaisseuse mit einem Auge für Film-Details. Ich unterscheide nicht zwischen Filmklassiker und Youtube-Video. Gute Unterhaltung ist gute Unterhaltung. Zu meiner Person: Ich bin Daria, Millenial und ehemalige Entertainment-Redakteurin. Seit dem Zeitpunkt als ich das erste Mal eine Fernsehzeitschrift in den Händen hielt fasziniert mich die Welt des Films und der Hollywood-Glamour der Stars und Sternchen. Infos oder Einschätzungen zum aktuellen Promi-Tratsch? I'm your girl. Seriöse Filmanalysen? Let's go. I can do both. Auf Instagram findet ihr mich übrigens als @dariaayra

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