And just like that
Serien

And just like that they tried way too hard.

Und einfach so war da diese Sex and the City Fortsetzung, nach der niemand gefragt hat, die eigentlich keiner brauchte oder wollte und trotzdem trinkt man gedanklich schon den ersten Cosmopolitan und freut sich auf Mr. Bigs charmantes Lächeln, Carries absurde Outfits, Charlottes Naivität, Mirandas Coolness und Samanthas – Wait what? Sex and the City ohne Samantha? Richtig, denn Kim Cattrall (Samantha Jones) und Sarah Jessica Parker (Carrie Bradshaw) haben sich im Vorfeld wohl dermaßen zerstritten, dass eine professionelle Zusammenarbeit nicht möglich war. 

Als Sex and the City 2001 ins deutsche Fernsehen kam (BTW erst drei Jahre nach der amerikanischen Erstausstrahlung auf HBO – heute gar nicht mehr vorstellbar), war ich gerade dreizehn Jahre alt und eigentlich noch zu jung für eine Serie, in der junge Frauen zu viel tranken, zu viel vögelten und vor Allem zu viel darüber redeten. Mit anderen Worten: Ich musste das sehen. Ich war – wie zu dem Zeitpunkt so ziemlich alle meine Freundinnen (und ich glaube auch der eine oder andere Freund, auch wenn sie es nie zugegeben hätten) – ziemlich schnell angefixt und im SATC-Fieber. Zugegeben waren meine Ansprüche an Serien damals noch nicht sonderlich hoch.

Und ja – man darf früher SATC gefeiert haben und heute trotzdem gendern und für Gleichberechtigung sein. Man darf selbst lieber zum Bier greifen und sich über Stanford und bunte, glitzernde Cocktails mit Schirmchen amüsieren. Man darf all die Werte, die in der Serie vermittelt werden aus heutiger Sicht problematisch finden und trotzdem Herzklopfen bei dem Gedanken an die Titelmusik bekommen. Und genau darum soll es hier zumindest zum Teil gehen. Denn das Gegenteil von gut ist gut gemeint..

SPOILERWARNUNG!

Achtung! Es folgen massive Spoiler. Wer And just like that spoilerfrei genießen möchte, sollte nicht weiterlesen. 

What I asked for: Nostalgie, ein bisschen Liebe, Sex, Schuhe, absurde Modetrends, sonstige belanglose Themen und Cosmopolitans. 

What I got: Tod, unvollendete Storylines, erzwungene Diversität, eine neue schwarze Samantha und eine Xier Mitzwa. 

1.Szene – Wir sehen ein gewohntes Bild: die bekannten Mädels beim Lunch. Alles wie immer. Naja, fast. Zwei Dinge sind anders: Samantha fehlt – wir erfahren schnell, dass sie in London lebt, sich mit Carrie zerstritten hat und offensichtlich die Böse in der ganzen Geschichte ist – und Mirandas Haare. Sie sind grau. Und damit auch der letzte Idiot merkt, dass die sonst rothaarige Miranda gealtert ist, drehen sich die nächsten zehn Minuten des Gesprächs um ihre Haarfarbe. Es wirkt so absurd, dass darüber gesprochen wird als hätten auch ihre besten Freundinnen ihre grauen Haare eben zum ersten Mal gesehen. Danke dafür, wir haben es verstanden. Samantha ist übrigens nicht tot, auch wenn der eine oder andere Witz darüber gerissen wurde – tote beste Freundinnen sind schließlich der Brüller, wer weiß das nicht? – sondern nur aus beruflichen Gründen nach London gezogen und ghostet Carrie und Co. seitdem.

Ansonsten ist alles wie Sex and the City. Bloß auf Hochglanz poliert und politisch korrekt.

Während Miranda (Cynthia Nixon) und ihre grauen Haare von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern, muss Charlotte (Kristin Davis) einsehen, dass das perfekte Vorzeigeleben nicht immer so ganz planbar ist, wie sie es gerne hätte. Carrie (Sarah Jessica Parker) macht jetzt Instagram und Podcast und wirkt verklemmt wie nie. Die Beziehung zu John Preston aka. Mr. Big ist stellenweise etwas weird („Masturbier für mich“), aber ganz süß und irgendwie das Einzige, das uns geblieben ist, das sich so anfühlt wie früher. Und einfach so folgt der Plot der Serienfortsetzung. Mr. Big stirbt.

Es folgt Trauer. Einerseits total angemessen, man spürt Carries Ohnmacht geradezu, aber dann wiederum überzogen. So muss Stanford (RIP Willie Garson) sich vor Charlotte, deren Anwesenheit Carrie nicht ertragen kann, verstecken. Albern und übertrieben. Aber auch das gehörte bei SATC schon immer dazu. 

Mr. Bigs Tod führt jedenfalls dazu, dass Carrie wieder „auf dem Markt“ ist. Man merkt schnell, dass sie noch nicht so weit ist und das eigentlich nicht möchte. Sie trifft sich dennoch mit einem netten Witwer. Sie ist eben Carrie. Und sie ist eine Frau. Mit sich selbst glücklich zu sein kommt schließlich nicht in Frage. 

Mirandas RomCom

Über mehrere Folgen wird eine augenscheinliche Alkoholsucht Mirandas aufgebaut, mehr als nur angedeutet und sogar von Charlotte ausgesprochen. Ein einfaches LOL, nein! von Miranda macht der Storyline schließlich den Garaus und wir können uns ins nächste Out of Character Abenteuer stürzen. Denn sie scheint endgültig genug von ihrem inzwischen Schwerhörigen Mann Steve und ihrem sexuell sehr aktiven Sohn Brady zu haben. Sie schmeißt ihren Job, fängt wieder ein Studium an  – soweit so gut – lernt schließlich Che Díaz, Carries Chef:in, kennen und verliebt sich in sie. Miranda nennt sich selbst Rambo und stürzt sich in eine Affäre, bis sie letztendlich Steve und Brady verlässt, ein lang ersehntes Praktikum sausen lässt und mit Che nach LA geht. Ich gönne gerade Miranda wirklich alles Glück der Welt, aber haben Steve und ihre Ehe dieses Aus wirklich verdient? Ich fand es sehr traurig zu sehen mit welcher Gleichgültigkeit dieser die Affäre und den Wunsch nach einer Scheidung hingenommen hat. Zu müde um zu kämpfen. Und man kann ihn verstehen. Verdient hat das aber keine von uns.

Charlotte and the Rock

Wer erinnert sich nicht an die dramatische Storyline um Charlottes unerfüllten Kinderwunsch, der letztendlich darin endete, dass sie mit zwei wundervollen Töchtern gesegnet wurde? Auf der einen Seite ist da jetzt Lily, offensichtlich das asiatische Wunderkind, das gleich zu Beginn der Serie ein Klavierkonzert gibt und seine Weiblichkeit auf Instagram zur Schau stellt. Zu Charlottes Erleichterung allerdings nur vor etwa drei Followern. Auf der anderen Seite ist Rose. Rose will das blumige Wandbild nicht mehr, sie will das Kleid, das Charlotte ausgesucht hat, nicht tragen und eigentlich will sie auch gar nicht mehr Rose sein. Rose wird Rock. Und sie wird er. Und ich mag diese Story tatsächlich sehr, auch wenn sie ihre Schwächen hat. Die „Xier Mitzwa“ hätte meiner Meinung nach wirklich nicht sein müssen. Aber tatsächlich ist es schön anzusehen, wie ein Mensch wie Charlotte, der immer darauf bedacht ist, dass alles nach Plan läuft, diesen Plan über Board werfen muss, Abschied von ihrer Tochter nimmt und lernt ihren Sohn zu lieben.

Xier/Xiem?!

Grundsätzlich bin ich großer Fan davon Serien in OV zu schauen. Hier habe ich es vor allem aus nostalgischen Gründen nicht getan, denn damals 2001 hatte ich weder die Möglichkeit noch den Skill mir Serien auf englisch anzuschauen. Die Synchronstimmen von damals gehören daher für mich dazu. Ihr könnt mir aber gerne einmal in die Kommentare schreiben, ob sie es im Original eleganter gelöst haben.

In der deutschen Sprache gibt es bislang kein einheitlich geschlechtsneutrales Pronomen. Im Englischen wird gerne they/them genutzt. Im Deutschen funktioniert das aus offensichtlichen Gründen nicht. In der Übersetzung hat man sich wohl für das wenig bekannte Xier/Xiem entschieden, was – jedenfalls für mich – sehr befremdlich klingt. Ich hatte es vorher schon mal gehört, kenne aber tatsächlich niemanden (auch aus der LGBTQA+ Szene), der diese in seinem alltäglichen Sprachgebrauch nutzt. 

Ein bisschen als würde man alte Freund:innen auf einen Cosmopolitan treffen.

And just like that macht vieles richtig. Wir treffen viele bekannte Gesichter, aus unterschiedlichen Gründen leider nicht alle und es gibt neue Geschichten zu erzählen. Es ist ein bisschen als würde man alte Freund:innen auf einen Cosmopolitan treffen.

And just like that macht aber auch definitiv vieles falsch. Die Figuren sind älter geworden und haben in der Zwischenzeit alle etwas erlebt, nur leider scheint sich niemand wirklich entwickelt zu haben. Carrie ist immer noch die Carrie, die in der letzten Folge in Paris endlich von Mr. Big nach Hause geholt wird (Ups, Spoiler! Und ja, ich ignoriere die Filme an dieser Stelle absichtlich), Miranda, die immer stolz darauf war, dass Männer und Beziehungen nicht ihren Lebensmittelpunkt darstellen, stellt nun ihre neue Beziehung in den Mittelpunkt ihres Lebens und Charlotte, immer noch sehr konservativ, macht wenigstens innerhalb der Fortsetzung eine gewisse Entwicklung durch. Ich finde, ein wenig Charakterentwicklung in den vergangenen 20 Jahren hätte man erwarten dürfen.

Die bereits angesprochene Political Correctness nehme ich der Serie leider nicht ab.  Während vor zwanzig Jahren Frauen noch die Türen aufgehalten wurden, Männer immer stark sein mussten und auch sonst jedes Klischee bedient wurde, das den Autor:innen zu den Rollenbildern der 90er eingefallen ist, gilt hier das Gegenteil. Wie ich zu Beginn bereits schrieb, bin ich großer Freund vom Gendern und finde, dass Sex and the City ein wenig mehr Feminismus vertragen kann, aber es wirkt, als hätte jemand, der keine Ahnung hat, was Gendern und die LGBTQIA+ Community eigentlich sind, auf den letzten Drücker ein Referat genau darüber halten wollen.

And just like that… geht in eine zweite Runde

Eine zweite Staffel wurde – oh, Überraschung – bereits angekündigt. Im Finale der ersten Staffel küsst Carrie ihren Podcastproduzenten, Miranda ist wieder rothaarig und folgt ihrem Herzen nach LA und Charlotte hat eine Xier Mitzwa und Samantha kippt Offscreen ein paar Drinks mit Carrie. Ob es in der zweiten Staffel ein Wiedersehen geben wird, steht in den Sternen. Bisher lehnte Kim Cattrall jede Mitarbeit am Reboot ab. Gehen wir also davon aus, dass sie auch in der zweiten Staffel höchstens Carries Text-Freundin bleiben wird. 

Und der Rest der Clique? Wagen wir eine Prognose.

Ich schätze, Carrie wird in einer Beziehung mit besagtem Produzenten sein, weiter Podcast machen und viel zu alt sein, um so jung und hip und so verliebt zu sein, wie sie es ist. Miranda wird bei Che in LA sein und es wird nicht so sein, wie sie es sich vorgestellt hat. Und Charlotte stellt sich weiter der Herausforderung, dass aus Rose Rock geworden ist, ohne dabei zu vergessen, dass sie noch ein zweites Kind hat. 

Und einfach so ist SATC leider unheimlich schlecht gealtert. Und einfach so fühlt es sich trotzdem so an als würde man sich mit alten Freunden treffen, mit denen man sich irgendwie auseinandergelebt hat. Und trotzdem ist es ganz nett.

Ich bin der singende, tanzende Abschaum der Welt. Mit seichter Unterhaltung, Trash TV (naja, das meiste. Das große Promibacken ist mein Guilty Pleasure) und RomComs kann ich oft nicht viel anfangen. Albernes Zauberstabgefuchtel und kindische Hexereien wird es hier nicht geben. Wer es gerne ernst und düster mag, ist bei mir genau richtig. Ich hab einen Hang zu Antihelden und drück dem Bösen heimlich mal die Daumen. Ich bin Freund des Unerwarteten und des Mindfucks. Das Leben hat mich eingeholt und so weiß ich gute Filme und Serien mehr zu schätzen den je. Und gleichzeitig ist meine Antwort auf Klatsch und Tratsch immer öfter „Kenn ich nicht, ist mir auch egal“. Seifenblasennostalgie meets Hobbypoesie und Dorfkindromantik. Ich bin die, die „Folge deinem Herzen, aber nimm dein Hirn mit“ an Bushaltestellen schmiert. Mehr gibt es (hin und wieder mal) auf Instagram unter @_sandrapopandra.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Hiermit akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.